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Experten-Tipps für einen sicheren Schulweg

children-965506 pixabay

05.09.2022

Jetzt beginnt für tausende Schüler der erste Schultag. Viele Gründe sprechen dafür, dass Kinder zu Fuß in die Schule gehen: Bewegung an der frischen Luft fördert die körperliche Entwicklung und die Konzentration im Unterricht, stärkt die Abwehrkräfte und beugt Haltungsschäden und Übergewicht vor. Unabhängig davon, wie die Kinder in die Schule kommen, müssen sie Verkehrsregeln sowie den Umgang mit möglichen Gefahren erst (er)lernen. Dafür sollten die letzten Tage vor dem Schulstart für ein gezieltes Training des Verhaltens am Schulweg genutzt werden. Folgende Experten-Tipps zeigen, wie Kinder und Begleitpersonen den Schulweg sicherer gestalten können:

  • Einen sicheren Schulweg auswählen – der kürzeste Weg ist nicht immer der sicherste
    Beim gemeinsamen Begehen des künftigen Schulweges dem Kind mögliche Gefahren zeigen und ihm erklären, warum es wo gefährlich ist und worauf es als Fußgänger achten muss. Der Schulweg sollte nach sicheren Straßen, ampelgeregelten Kreuzungen und Schülerlotsen ausgerichtet werden. Gehen Sie bei zu querenden Kreuzungen in die Knie – so befinden Sie sich auf Augenhöhe des Kindes und sehen Gefahrenquellen mit den Augen Ihres Kindes.
  • Schulweg trainieren
    Regelmäßig üben, aber das Kind dabei nicht überfordern. Unternehmen Sie die Trainingsgänge an Schul- bzw. Arbeitstagen, morgens und mittags, damit authentische Bedingungen vorherrschen. Keine unnötige Angst machen und nicht ständig ermahnen, sondern bei Fehlverhalten sachlich korrigieren und bei richtigem Verhalten ausdrücklich loben. Lassen Sie sich dann nach einigen Trainingstagen von Ihrem Kind führen, das sein Verhalten kommentiert. So sehen Sie, ob es alles richtig verstanden hat.
  • Klare Regeln für den Schulweg aufstellen
    Prägen Sie Ihrem Kind klare, kurze Merksätze ein, wie „Rot – Stopp!“ an Fußgängerampeln oder „Zebrastreifen – Warten!“. Merksätze sind viel schneller abrufbar als lange Erklärungen.
  • Wach und gestärkt auf den Schulweg und stressfrei in den Tag starten
    Ausreichender Schlaf und ein ausgewogenes Frühstück sind bei einem Schulkind wichtig für Konzentration und Wachsamkeit – auch im Straßenverkehr. Vermeiden Sie Stress, indem Sie das Kind rechtzeitig auf den Schulweg schicken und es genug Zeit hat, um sich sicher zu verhalten.
  • Reflektoren auf Kleidung und Schultasche
    Helle oder bunte Kleidung reicht oft nicht aus. Kinder sollten daher zusätzlich mit reflektierenden Materialien und Pendelblitzen an Taschen, Schuhen und Kleidung ausgestattet sein, um so ihre Sichtbarkeit zu gewährleisten  – erhöhte Sichtbarkeit kann in der Morgendämmerung Leben retten.
  • Schultaschen nicht zu schwer packen
    Die Schultasche sollte nicht schwerer sein als ein Zehntel des Körpergewichts des Kindes. Wenn es zu schwer tragen muss, kann dies seine Aufmerksamkeit und Beweglichkeit im Straßenverkehr beeinträchtigen.
  • Achtung auch an Ampeln und Zebrastreifen
    Auch bei grünen Fußgängerampeln immer nach beiden Seiten schauen und auf mögliche Abbieger achten. Wenn die Ampel während des Überquerens auf Rot wechselt, zügig weitergehen. Erklären Sie Ihrem Kind, dass leider nicht alle Fahrer vor dem Zebrastreifen anhalten. Vor dem Schutzweg also immer stehen bleiben und nach beiden Seiten schauen. Erst losgehen, wenn die Fahrbahn frei ist oder alle Fahrzeuge – aus allen Fahrtrichtungen – angehalten haben. Dabei auch auf eventuell überholende Fahrzeuge achten!
    Auf Scooter und Fahrräder achten: nicht nur Autos können leicht übersehen werden, Scooter und Fahrräder sind auch schnell unterwegs und stellen gerade für Kinder eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar.
  • Schulbus, Öffis und Auto
    Ruhig und aufmerksam an der Haltestelle warten, bis der (Schul)Bus eingefahren ist. Disziplin beim Ein- und Aussteigen. Die Straße nicht direkt vor oder hinter dem Bus überqueren, sondern warten, bis dieser die Haltestelle verlassen hat. Sollten Sie Kinder per Auto zur Schule bringen, gilt es besonders auf die Sicherung durch einen geeigneten Kindersitz sowie das Angurten zu achten. Bringen Sie Ihren Nachwuchs nur in Ausnahmefällen mit dem Pkw zur Schule oder nach Hause. Kinder, die nur als Pkw-Passagiere am Straßenverkehr teilnehmen, lernen nicht, selbst mit Situationen im Straßenverkehr umzugehen. Überdies wird das Verkehrsaufkommen im Schulumfeld durch Elternfahrzeuge unnötig erhöht, was wiederum andere Kinder gefährdet.
  • Wachsam bleiben
    Beobachten Sie mit zeitlichem Abstand immer wieder das Verhalten Ihres Kindes – nach Möglichkeit auch auf dem Heimweg, denn nach stundenlangem Sitzen ist der kindliche Bewegungsdrang besonders groß.

Schulweg-Regeln für Fahrzeuglenker

  • Der Vertrauensgrundsatz ist nicht auf Kinder anwendbar! Jedes Verhalten von Kindern im Straßenumfeld, auch das unvernünftigste, muss jederzeit einkalkuliert werden.
  • Der „unsichtbare Schutzweg“ gilt immer und überall. Wollen Kinder – einzeln oder in Gruppen, beaufsichtigt oder unbeaufsichtigt – die Fahrbahn überqueren, müssen Fahrzeuglenker ihnen das unbehinderte und ungefährdete Überqueren der Fahrbahn ermöglichen und bei Bedarf dafür anhalten.
  • Fahrer müssen überall dort, wo mit Kindern gerechnet werden muss, langsamer fahren. Besonders im Umkreis von Kindergärten, Schulen, Sport- und Spielplätzen und ähnlichen Einrichtungen – wer dort zu schnell unterwegs ist, dem drohen neben einer Geldstrafe auch Führerscheinentzug und Nachschulung.

Perspektivenwechsel: Kinder sind anders

Die Welt mit Kinderaugen sehen – das sollten wir Erwachsene ab und zu tun, um uns in die Situation der jüngsten Straßenbenutzer einzufühlen. Denn bis zum Alter von etwa acht Jahren können sich Kinder noch nicht in andere Verkehrsteilnehmer hineinversetzen. Sie leben in ihrer eigenen Welt – und die ist anders als unsere:

  • Geringere Körpergröße: Kinder erleben den Straßenverkehr aus anderer Sicht. Sie können nicht über Autodächer hinwegschauen, bemerken herankommende Fahrzeuge somit später als Erwachsene und werden auch selbst von Lenkern später wahrgenommen.
  • Nah und fern: Kinder schätzen Entfernungen und Geschwindigkeiten noch nicht richtig ein und nehmen aufgrund ihres eingeschränkten seitlichen Blickwinkels herannahende Fahrzeuge später wahr. Sie können die Richtung, aus der ein Geräusch kommt, nur schwer bestimmen.
  • Die Macht der Gefühle: Kinder sind neugierig und leicht ablenkbar. Ihre Aufmerksamkeit richtet sich spontan auf gefühlsbezogene Objekte wie etwa Hunde oder Werbeplakate. Kinder leben ihre Emotionen intensiv aus. Ob sie fröhlich oder traurig, übermütig oder niedergeschlagen sind, wirkt sich stark auf ihr Verhalten aus.
  • Bewegungsdrang: Nach dem Schultag macht Laufen doppelt Spaß. Besonders heikel: Kinder können Handlungsabläufe – etwa das Nachlaufen hinter einem Ball – nur schwer bewusst abbrechen, um am Straßenrand anzuhalten und sich umzusehen.
  • Links, rechts, links: Kinder drehen oft nur reflexartig den Kopf nach beiden Seiten, bevor sie die Fahrbahn queren. Für Eltern heißt das: Beobachten Sie Ihr Kind genau, ob es beim Blick in beide Richtungen auch tatsächlich bewusst nach Fahrzeugen Ausschau hält.

 

Quellen: KFV - Kuratorium für Verkehrssicherheit, bmvit-Infothek